| Hesch gwüsst ...? |
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Die Eisenbahn "Läufelfingerli" |
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Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser |
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Das Arbeiterleben |
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Die Masse von „Arbeitern, welche in Folge des Eisenbahnbaues im Dorf und der Umgebung wohnte, verursachte eine gänzliche Umwandlung des bisherigen Dorflebens. Wer im Hause eine Ecke übrig hatte, nahm Leute in Kost und Logis, so dass das ganze Dorf gleichsam ein grosses Menage wurde. Die Schwaben bildeten die Hauptmacht dieser aus aller Herren Länder rekrutierten Armee. Mit ihnen lagen besonders die jungen Burschen des Dorfes in fortwährender Fehde, Löcher und Beulen am Kopf waren damals fast etwas Alltägliches. Ein anderes stark vertretenes Korps bildeten die Engländer. Sie hatten aber ihr Hauptquartier vor dem Dorf, neben dem Tunneleinschnitt, aufgeschlagen, wo sie fünf ordentliche Häuser erbauten, und in einem derselben eine besonders nach englischem Geschmacke, eingerichtete Wirtschaft führten. Eines dieser Häuser ist die noch stehende Bahnmeisterwohnung. Vom Sparen war bei diesen Söhnen Aldions keine Rede, weder für sich noch ihren Herrn. „Brassen Gross Mann, viel Monen (Geld)!“ hiess es, wenn irgend etwas zu Grunde ging. Eine Masse Geschirr wurde während der Nacht mit dem Schutte aus dem Tunnel geführt und liegt jetzt im Eisenbahndamm ausserhalb des Dorfes begraben. Was an den Boden fiel, war in der Regel verloren. Ja es wurde sogar im Tunnelgewölbe aus lauter Bequemlichkeit eine schöne Winde eingemauert. Tag und Nacht mussten drei Schmiede Bohrer und Meissel spitzen und die fehlenden durch neue ersetzen. Zur Verteidigung der Vorräte halfen getreulich auch eine Schar Zimmerleute, Maurer, Schlosser und Maschinisten. Alles versägte, verschnitt und verhämmerte nach Herzenslust, war doch Zeug genug vorhanden. Im Essen und Trinken wussten sie vom Sparen noch weniger, und der Tisch blieb den ganzen Tag mit Beefsteak, Schinken, Brod, Wein und Cognac besetzt, damit die Bedürfnisse zu jeder Stund befriedigt werden konnte. Während ihre Betten oft aus Haufen von alten zerrissenen Kleidern bestanden, und Zweikämpfe zwischen Mann und Frau an der Tagesordnung waren, so rückten sie bei Leichenbegräbnissen, Taufen oder anderen ähnlichen Anlässen dennoch wie die Lords aus. Zylinder und Glacéhandschuhe, Schleier und Sonnenschirm wussten sie dann zu führen, dass man sie für die feinsten und nobelsten Leute hätte halten können. Übrigens waren auch einige respektable Leute unter ihnen. Wären diese Englishman noch länger hier geblieben, so hätte bald Alles englisch gesprochen, denn jeder kleine Bube brauchte schon: „yes (ja)!“ und „very vell (sehr gut)!“, „vill you box (wollt ihr boxen)?“. Ja ein zwölfjähriges Mädchen von hier, das bei einer englischen Familie diente, sprach ziemlich geläufig englisch. Zu dieser ereignisreichen Zeit war Geld in allen Händen fast zum Überfluss, aber nur Wenige wussten die Zeit recht zu benutzen. Man konnte zwar nicht sagen: „Wie gewonnen, so zerronnen!“ denn die meistens war der Erwerb kein so leichter; aber nur umso trauriger erschien die grenzenlose Verschwendung, welche herrschte. Wie mancher arme Bursche hätte sich zum wohlhabenden Manne machen können! Ein Arbeiter versicherte einmal, indem er seine schwarze Zipfelkappe in die Hand nahm: „Diese könnte ich voll Goldstücke haben, wenn ich gewollt hätte!“ (Er verdiente alle Tage fünf Franken.) Mancher trug anstatt eines Sparpfennigs nichts als einen kränklichen Leib davon; doch gab es auch ehrenwerte Ausnahmen. Der Zudrang zu den Arbeitern war sehr stark, und trotz dem, dass dieselben auf die verschiedensten Weissen viele Opfer forderten, fehlte es nie an Leuten. Das zu frühe Nachsehen bei geladenen Sprengschüssen, die man erloschen glaubte, verursachte besonders zahlreiche Unglücksfälle. Im Jahre 1855 raste die Cholera eine Menge der kräftigen Leute, meistens Württemberger, hinweg. Einmal wurden auf einem Wagen drei Särge mit einander zum Kirchhof geführt und zusammen in ein Grab gelegt. Auf Untereck errichteten die Bauunternehmer Silber und Baumgärtner am Weg ein besonderes Krankenhaus und nahe dabei ein Totenhäuschen, indem die Entfernung der Kranken aus dem Dorf und den Arbeiterwohnungen aus Sanitarischen Gründen geboten wurde. Die mehrere Jahre andauernde Okkupation (Besetzung) der Gegend durch diese, teilweise sehr böse Elemente enthaltende Arbeiterarmee wirkte im moralischer Beziehung sehr nachteilig auf die Gemeinde, und die Spuren derselben sind noch keineswegs ganz verschwunden. |
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