Hesch gwüsst ...?
 

Die Landvögte

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

 

Als das Sisgau Eigentum der Stadt Basel geworden war, wurde das Land in Vogteien oder Ämter eingeteilt, deren eines das Amt Homburg war. Zu Denselben gehörten die Dörfer Läufelfingen, Buckten, Rümlingen, Thürnen, Wittinsburg, Känerkinden, und Häfelfingen. Das Amt Homburg wurde durch Landvögte, auch Obervögte genannt, verwaltet, welche auf dem Schloss wohnten und zuerst aus der Mitte des kleinen Rates, später aus der Bürgerschaft Basels erwählt wurden. Die Landvögte waren bei dem Volke gefürchtete Personen, denn sie übten grosse Macht und Gewalt. Wegen dem geringsten Vergehen mussten die Leute auf` s Schloss, um sich zu verantworten, und welche Strafe der Landvogt diktierte, musste fast immer vollzogen werden. Zwar ging seine Strafkompetenz nur bis auf 6 Gulden, dagegen hatte er das Recht kürzere Zeit Einzusperrung zu verhängen und selten wagte jemand zu klagen, wenn er, der wohlweise Herr Landvogt, wie man ihn titulieren musste, auch seine Gewalt missbrauchte. Freilich wurde vieles der persönlichen Härte des Landvogtes zugeschrieben, woran eigentlich das Gesetz Schuld war. Im Dorf mussten Tag und Nacht kehrweise zwei Männer auf der Wacht sein. Kam der Landvogt und fand niemand auf dem Posten, so kostete es einen Gulden. Wer vom Landvogt nach 11 Uhr Abends ausser dem Hause angetroffen wurde, bezahlte ebenfalls 1 Gulden (Nachtgulden genannt).

Nebst den Strafgeldern und der Benutzung des jetzigen Homburggutes  und der Schlossmatt hatten die Landvögte noch viele andere Einkünfte; z.b. bezogen sie alljährlich von jedem Hause ein Huhn (Fasnachthuhn) und von den Ziegenbesitzern ein Gitzi (Zicklein), wovon die Vogtei Homburg den Namen Geissenvogtei erhielt. Zudem musste man ihnen verschiedene Frohndienste, Tauen (Tag) genannt, leisten.

 

Die Landvögte, welche im Namen der Stadt Basel das Amt Homburg verwalteten, sind folgende:

Mitte des kleinen Rates

 

1401 Klaus Hurni

1422 Hans Fürnau (1)

1423 Hans zur Sonnen

1426 Heinrich von Itingen (2)

1429 Wernli Matt (3)

1436 Balthasar Schilling

1440 Klaus Stör

1452 Hans Eschling

1458 Thüring Ehrenmann

1463 Hans von Gilgenberg

1464 Klaus von Biederthal

1468 Konrad Freuler

1472 Bernhard Iselin

1486 Heinrich von Arx (4)

1496 Wernlin Hochherr

1499 Hans Heiss

1515 Theobald von Arx

1522 Gregorius Sohem

1527 Bartholome Schönberg

1529 Bartholome Zink

1537 Lux Dirsum

1538 Georg Wildeisen

1541 Sebastian Krug

1542 Martin Hagenbach

1549 Jakob Ottendorf

1554 Bernhard Brand

1557 Konrad Schlücklin

1567 Hans Jakob Keller (5)

1578 Bernhard Gebhard

1580 Hans Ludwig Iselin

1595 Theodor Brand

1603 Niklaus Werenfels (6)

1611 Oswald Wachter (7)

1618 Jeremias Fäsch (8)

1632 Adelberg von Kilch

1633 Hans-Jakob Zöglin/ Oberleutnand

1636 Hans Kaspar Fäsch

1647 Bernhard Brand (9)

1655 Hans Rudolf Battier / Stadthalter

1656 Daniel Burkhard (10)

1656 Philipp Ramspeck/ Rittmeister

1661 Friedrich Bugger

1671 Georg Senn

1682 Ulrich Weitnauer

 

1.  Er musste immer drei Knechte unterhalten.

2.  wurde nechher Vogt auf Waldenburg.

3.  Er konnte im Kirchenbuch zu Oltingen als Jahrzeitenfürst vor.

4.  In einem Chorfenster der Kirche befindet sich ein Glasgemälde mit diesem Namen und der gleichen Jahreszahl.

5. wurde 1579 wieder Ratsherr.

6.  gewesener Ratsschreiber.

7.  Hauptmann. Unter ihm wurde das sogenannte Thurneissenberein 1615 errichtet. Es wird im Gemeinsarchiv auf bewahrt und ist auf Pergament geschrieben.

8.  wurde 1631 wieder Ratsherr. Nach dem Sterberegister (siehe Geschichte der Kirche) starb im Jahre 1628 ein Landvogt Senn, welcher Bruckner nicht aufführte.

9.  War vorher Präfenzschaffner.

10. Bevor er auszog, wurde er zum Vogt auf Mönchenstein gewählt.

 
Noch heute hört man in Läufelfingen den Spruch: "Wir dulden keine fremden Landvögte mehr!"

Zum Leidwesen vieler Läufelfinger Steuerzahler (ca. 77%) hat dieser Spruch heute wieder seine absolute Berechtigung. Hat doch ausser der Namensgebung von "Landvögte" zu "Dorfkönig" oder so, nichts geändert, ausser eben, dass es eigene sind, mit Ausnahme ihres Schreiberlings!

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

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