Hesch gwüsst ...?
 

Die Landvögte

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

 

Vorstehende Landvögte waren aus dem kleinen Rath genommen; im Jahre 1691 aber wurde die Verordnung gemacht, dass künftighin die Vogteien Homburg und Mönchenstein aus der Bürgerschaft besetzt werden sollen.

 

Die Landvögte, welche im Namen der Stadt Basel das Amt Homburg verwalteten, sind folgende:

Bürgerschaft:

 

1692 Hans Jakob Müller

1699 Benedikt Socin (1)

1707 Johann Jakob Thurneisen (2)

1711 Jakob Christos Frei (3)

1720 Emanuel Rippel ****

1729 Johann Robert Ritter, Grossrat

1737 Johann Baltasar Burkhard

1745 Joseph Burkhard

1753 Johann Rudolf Beck (4)

1760 Joseph Burkhard

1760 Heinrich Burkhard

1768 Andreas Fäsch (5)

1772 Peter Rossrnburger (6)

1780 Wilhelm Linder

1786 Daniel Büchel (7)

1786 Philipp Gemuseus (8)

1797 Jakob Debarn (9)

 
   

1.  gewesener Domprobsteischaffner; wurde nachher Deputat

2.  wurde nachher Ratsherr und dann Obervogt von Waldenburg

3.  wurde nachher Geheimer Rat und Deputat

4.  vorhin Bauschreiber

5.  Dieser Landvogt war ein theoretisch und praktisch gebildeter Landwirt und erhielt darum als Mitglied derlandwirtschaftlichen Kommission den Auftrag mit Hieronimus Christ, Landvogt zuMünchenstein, die Landschaft zu durchreisen, sich von dem Zustande derLandwirtschaft zu erkundigen, und Verbesserungsmittel ausfindig zu machen. IhrBericht findet sich in der Abhandlung der ökonomischen Gesellschaft in Bern, 1764.

6.  Am Ofen steht, den 16. April 1775, während dieser Landvogt in der Kirche zu Läufelfingen dem Gottesdienstebeiwohnte und niemand im Schlosse war als die Köchin, wurde dieser durch einenfrüher verabschiedeten Jägerburschen unversehen überfallen und niedergeschossen.Der Mörder entkam über den Rhein.

7.  starb im gleichen Jahre

8.  Im Andenken des Volkes hat sich der letzte Landvogt, Gemuseus, fast allein erhalten, jedoch umso lebhafter, da er nicht nur ein äusserst strenger und unsauberer, sondern auch origineller Geseu war. Manche lustige Geschichten werden von ihm erzählt. Einmal tanzten an einem Sonnatag einige junge Leute heimlich auf einer Bergscheune und wurden, trotzdem dass sie, um den Lärm zu vermeiden, die Schuhe ausgezogen hatten, vom Harschirer ertappt und beim Landvogt verklagt. Als Gemuseus die Mädchen verhörte, gaben diese vor, sie hätten nur einmal und nur ein wenig getanzt. Da sagte er aber: „Einmal getanzt und zweimal getanzt und zehnmal getanzt ist getanzt, getanzt ist getanzt, hättet ihr nur getanzt“. Ein ander Mal wurde er Nachts auf dem Heimweg von Läufelfingen im Schlossholz von jemandem mit Steinen beworfen. Sogleich ritt er mit seinem Knecht ins Dorf zurück und liess eine Anzahl Häuser durchsuchen, um zu sehen, wer nicht im Bette sei. Fast wäre der Täter in der oberen Mühle entdeckt worden, indem des Müllers Knabe sagte: „Der Joggi ist erst ins Bett gekommen“. Die Worte wurden aber überhört und dem Jungen Schweigen geboten. Einst büsste er einen Läufelfinger ungerechter Weisse um einen Gulden, wollte ihm aber 6 Batzen davon schenken, wenn er ihn sogleich Baar bezahle. Erbittert sagte der unerschrockene Mann: „So! Ihr wollt mir 6 Batzen schenken, und ich darf nicht einmal sagen, dass ihr mir den ganzen Gulden abgestohlen habt!“ Es wird auch erzählt, wenn Gemuseus im Dorf einem Tanzen beiwohnte, habe er nicht aufgehört zu tanzen, bis seine Tänzerin vor Ermattung niedergesunken sei. Auch hatte er eine Freude daran, Geld unter die Buben zu werfen, um sich an dem dadurch verursachten Spektakel zu amüsieren. Während seiner Amtsperiode stand einmal das Schloss in Gefahr samt seinen Bewohnern in die Luft gesprengt zu werden, indem am 30. Mai 1788, Abends um sechs Uhr, der Blitz in dasselbe schlug und der Strahl nahe an der Pulverkammer vorbei fuhr. Der an einem Tische sitzenden Frau Gemuseus wurde das Futteral ihrer goldenen Taschenuhr teilweise geschmolzen, ohne dass sie selbst im Mindesten verletzt wurde.

9.  zog nie auf

 
Noch heute hört man in Läufelfingen den Spruch: "Wir dulden keine fremden Landvögte mehr!"

Zum Leidwesen vieler Läufelfinger Steuerzahler (ca. 77%) hat dieser Spruch heute wieder seine absolute Berechtigung. Hat doch ausser der Namensgebung von "Landvögte" zu "Dorfkönig" oder so, nichts geändert, ausser eben, dass es eigene sind, mit Ausnahme ihres Schreiberlings!

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

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