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Beteiligung am Bauernaufstande von 1653

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

 

Als im Jahre 1653 die Landleute der Kantone Luzern, Bern und Solothurn gegen ihre städtische Obrigkeit einen Aufstand machten, um mehr Rechte und Freiheiten, besonders aber Verminderung manches Abgaben und Steuern zu erlangen, erhoben sich auch die Baselbieter. Ihre Hauptforderung waren: Verminderung des Salzpreises und Abschaffung der Soldatengelder. Die Landbewohner mussten nämlich für das Salz mehr zahlen als die Städter und auch bedeutend mehr als anderswärts. Sie fingen daher an ihren Salzbedarf nicht mehr aus den obrigkeitlichen Salzkästen zu beziehen, was zur Folge hatte, dass die Regierung hohe Geldstrafen gegen Hausierer und Käufer von fremden Salz erhielten. Im Amt Homburg allein sollten die Salzbutzen (1653) mehrere tausend Pfund betragen haben. Die Soldatengelder waren eine Abgabe zur Bestreitung der Soldauslagen für die Stadtbesatzung während den unruhigen Zeiten des dreissigjährigen Krieges. Das Amt Homburg zahlte für 5 Mann jährlich 600 Pfund. (1 Pfund gleich 12 Batzen oder 20 Schilling (Blappart) und der Schilling gleich 12 Pfennig oder 6. Rp. Nach dem jetzigen Geldwerte war damals 1 Pfund ungefähr 3 Fr.)

Eines der Häupter des Aufstandes war Uli Gysin, Amtspfleger von Läufelfingen. Unter seiner Führung überfielen die Homburger in Verbindung mit den Waldenburgern bewaffnet die Dörfer des Fansburgeramtes, führten die der Regierung treu gebliebenen Beamten gefangen nach Sissach, und trieben allerlei Unfug. Gysin besuchte auch als Hausschutz eine Versammlung der Bauern in Oberbuchsiten, sowie die grosse Landsgemeinde in Sumiswald (April 13. 1653). An letzterer gab er sein Betreffnis an Soldatengeldern auf monatlich 35 Schilling (Fr. 5.25) an, stimmte übrigens für milde Massregeln. Am 1. Juni zeigte Gysin dem Landvogt Brand auf Homburg an, die Baselbieter müssten ihnen Bundesgenossen mit 1`000 Mann zu Hülfte ziehen. Der Vogt warnte ihn ernstlich, und tat das gleiche an eine Gemeindeversammlung in Buckten, doch vergeblich. Als die Farnsburger und Waldenburger mit fliegender Fahne kamen, zogen 45 Homburger mit ihnen über den Hauenstein.

Das vereinigte Bauernheer wurde bekanntlich am 3. Juni bei Hülfte geschlagen und der Aufstand überall unterdrückt. Am 7. Juni (28. Mai nach altem Kalender) zogen die Truppen der Basler Regierung nach Liestal, Sissach und Gelterkinden, und besetzten auch die Grenzorte Langenbruck, Läufelfingen und Oltingen. Darauf wurden die Rädelsführer aufgesucht und gefangen nach Basel geführt. Unter ihnen war auch Uli Gysin und noch ein anderer Läufelfinger, Namens Hans Egli. Am 14. Juli wurde Uli Gysin, nachdem er im Verhör am Gewichte aufgezogen worden (ein Grab der Folter), mit noch sechs anderen hingerichtet.

Hans Egli kam ans Schellenwerk. Ein Gerücht, welches mehrere Basler als Wahrheit in ihre Taschenbücher aufzeichneten, sagte, dass während der Hinrichtung ein furchtbares Getümmel sich auf dem Schlosse Homburg hören liess, in eben der Kammer, wohin Uli Gysin seinen Hausrat geflüchtet hatte. Das Amt Homburg musste nachher an die Kriegskosten 1642 Gulden bezahlen. Da Uli Gysin Gemeindevorsteher und ein Haupt des Aufstandes war, und zudem noch ein Zweiter aus der Gemeinde verurteilt wurde, ist anzunehmen, das die Beteiligung der Läufelfinger ziemlich stark war.

Uli Gysin war, nach Angabe des alten Kirchenbuchs, mit einer Anna Fiechter verehelicht und hinterliess 5 Kinder. Während vom Vermögen der anderen Hingerichteten, laut Urteil, zwei Drittteile für den Staat eingezgen wurden, sollte von demjenigen Gysin`s nur ein Drittteil genommen werden. Aus nachfolgendem Brief, dessen Original sich im Staatsarchiv befindet, geht hervor, dass die Wittwe beim Rat um Schenkung dieses Drittteils einkam. Er ist vom damaligen Landvogt, Bernhard Bard, geschrieben und lautet:

„Hochgeehrte, Gestrenge, Edle, Ehrenwerte, Fromme, Fürnemme, Fürstliche, Ehrsamme, Bndt (und) wense B: W: S: F: B: WF senen meine willige Dienste, neben freindtlichem Grusse jeder Zeit bevor, Insonders genedige, gebittende Hochehrende Herren“.

Vor mir seindt gestriges Tags Bhlin Gysins gewesenen Amts=Pflegers Von Leuffelfingen, wittib, Endt erben in l: H: Schloss erschienen, mitt weinenden Augen angezeigt, wass  massen sie wohl Bekennen müssten, dass ihr Ehemann, Bndt Matter Seel. In Vergangener Hochschädlichen Rebellion, durch Anstiftung Vieler Böser Leuten, sich Vbel Verhalten, derowegen Von E: H: G: F: E: WF: durch eine gerecht Urteil zu dem Tod, wie auch Beschehen, Bndt vollzogen seie condemnirt worden: woraus aber E: W: ihr hab, Bndt meiner wenigen Person haben Beschrenden lassen Von demselbigen ihrem Vermögen zur Straff den dritten Teil gefordert: Als hätten sie mich höflich weilen sie sins, Bndt willens Von einanderen zu teilen, ihnen ein Undertänig fürbitt schreiben.
 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

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