| Hesch gwüsst ...? |
|
Die Eisenbahn "Läufelfingerli" |
|
|
|
Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser |
|
Bau des Hauensteintunnels |
|
Die Sondierungsarbeiten an diesem Riesenwerk, welche die Bahngesellschaft selbst übernahm, begannen Anfangs des Jahres 1853 unter der Leitung der Ingenieure Wilhelm Pressel und Kalbfell. Nachher wurde die Erstellung des Tunnels zur Konkurrenz ausgeschrieben und darauf dem Engländer Thomas Brassey für zirka 5 Millionen Franken zugeschlagen. Um den Durchbruch des 8320 Fuss langen Tunnels zu beschleunigen, wurden von oben drei senkrechte Schächte in den Berg getrieben. Sie hatten zugleich auch den Zweck, frische Luft in die beiden Hauptstollen zu führen. Schacht Nr. 1 war hinter dem Dorf Hauenstein, Nr. 2 zwischen Pulvisei und Muren und Nr. 3 im Katzenstriegel. Der Schacht Nr. 1 wurde bis März 1855 vollständig (530 Fuss tief) eingetrieben und im November des gleichen Jahres erfolgte die Vereinigung des südlichen Tunnelstollens und des jetzigen vom Schacht aus. Der Schacht Nr. 2 wurde nach mehreren Unterbrechungen im September 1855 in einer Tiefe von 270 Fuss gänzlich aufgegeben, indem der Zudrang von Wasser zu stark wurde. Der Schacht Nr. 3 war im Dezember 1854 eingetrieben (420 Fuss tief) und am 6. Mai 1856 der nördliche Tunnelstollen mit demselben vereinigt. Durch den Betrieb des Schacht Nr. 1 wurden ungefähr 1580 Fuss, durch Nr. 3 aber nur etwa 240 Fuss der Tunnellänge durchgeschlagen, weil auch hier der Wasserandrang ungemein stark war. Am 31. Oktober 1857 erfolgte endlich der Durchbruch des Tunnels. Unter Hurrageschrei reichten sich die Arbeiter von beiden Seiten durch die zuerst noch kleine Öffnung die Hände und die Meinung einfältiger Leute, man könnte sich im Berg gegenseitig verfehlen und einander nicht „breichen“, sowie die feste Behauptung Einzelner, der Tunnel werde nicht zustande kommen, war zu Schanden geworden. Von der Trimbacherseite her wurden 6030 Fuss, von Läufelfingen aber nur 2290 Fuss erstellt. Der auffallende Unterschied rührte davon her, dass der Tunnel von Norden gegen Süden sich senkt, somit das Wasser gegen Trimbach ablaufen konnte, während es dagegen auf der Nordseite den Arbeitern immer zufloss, und nur mit viel Mühe durch Dampfmaschinen, Pumpen und Rohre herausgeschafft werden konnte. Wer endliches nicht gesehen, macht sich kaum eine nur annähernde Vorstellung dieses Bauwerkes und dieses Gemisches von Ordnung und Chaos, das in den schwarzen Räumen dieser Unterwelt herrschte. Da konnte man nicht sagen, „es war wüste und leer,“ vielmehr es war „wüste und voll,“ nämlich voll von Kot, Felstrümmern, Rauch und Dampf, Rollwagen, Pferden und Dampfmaschinen, Gräben, Löchern, Gerüsten, Luft- und Wasserleitungen. Das ging an ein Hämmern und Bohren, Winden und Rollen, Kommandieren und Zurufen, dass dem Neuling Hören und Sehen verging. Und beobachtete man die schwarzen, oft halb nackten Gestalten der Arbeiter mit den düster brennenden Lampen, so musste man Erstaunen über die Ausdauer, den Mut und die eiserne Natur dieser mit allen Elementen kämpfenden Männer. Die einander ablösenden Arbeiterabteilungen hiessen Schichten (Bergmannsausdruck), und es gab eine Tagschicht und eine Nachtschicht. Die vordersten Arbeiter, welche den engeren Leitstollen betrieben, hiessen Vorhauer und waren die eigentlichen Kanoniere der unterirdischen Batterien. Gewöhnlich wenn eine Abteilung zum „Hoch“, wie man die Ruhezeit nannte, abrückte, so begann Losbrennen der in die Bohrlöcher geladenen Schüsse, deren Zahl oft 30 bis 40 betrug. Wer sich keine Vorstellung des Bombardements von Sebastopol machen konnte, brauchte nur einer dieser Kanonaden beizuwohnen, so wurden gewiss seine Ohren befriedigt. Interessant war auch der Betrieb der Schächte. Zuerst der Schutt durch Pferde, welche, im Kreise herumgehend, eine Winde in Bewegung setzten, herausgeschafft. Als aber die Engländer kamen, bauten sie Nr. 1 und 3 förmliche Häuser und stellten Dampfmaschinen darin auf, mittels denen der Schutt und das Wasser in grossen, mehrere Saum haltenden Kübeln an dicken Drahtseilen auf ungemein schnelle Weise aus der gewaltigen Tiefe herausgeschafft wurden. Einen eigenen Eindruck machte es auch, wenn die Arbeiter in den Kübel stiegen und unter Jodel und Gesang in den finsteren, kaum 15 Fuss weiten Schlund versanken. Die gewaltigsten Anstrengungen erforderte der ungemeine Wasserandrang im Schacht Nr. 3 und dem nördlichen Tunnelstollen. Wenn gar Regenwetter eintrat, so wurde letzterer förmlich in einen unterirdischen See verwandelt, und die Arbeiter mussten zuweilen Tage und Wochen lang eingestellt werden. Ja man war sogar genötigt auf Flössen zu Arbeit zu fahren, bei welchem Anlasse ein Arbeiter ertrank. Endlich am 27. April 1858 war das gewaltige Werk vollendet und konnte die Bahn auf 1. Mai bis Olten eröffnet werden. Mit prächtig bekränzten Lokomotiven voll Inschriften und Fahnen fuhr der Festzug durch die unheimlichen Räume – eine Schranke des Weltverkehrs war gefallen. Auf Ansuchen des Direktoriums hielt Herr Pfarrer Buser in Läufelfingen vor dem Beginn der Probefahrt auf der hiesigen Station folgende Ansprache: Nach fünfjähriger angestrengter Arbeit ist nun ein Werk vollendet, vor welchem die Mitwelt staunend steht, und worüber noch in späteren Tagen die Nachwelt ihre Bewunderung bezeugen wird. Ein Werk, ebenso merkwürdig und kühn in seiner Idee, als grossartig und staunenswert in seiner Vollendung. Ein Werk ist vollendet, an dessen Ausführung nicht nur die schlichten Einwohner unserer Gegend hie und da gezweifelt haben, sondern über dessen mögliche Vollendung selbst Gebildete glaubten Zweifel hegen und laut werden lassen zu dürfen. Der Durchbruch des Hauensteins ist ein Werk, das bis jetzt noch wenige seines Gleichen hat – mindestens das grösste und bedeutendste in unserem schweizerischen Vaterlande. Im Frühling des Jahres 1853 wurde die Arbeit begonnen unter mancherlei vorauszusetzenden Schwierigkeiten – noch weit grössere Schwierigkeiten aber haben sich demselben entgegengestellt während seiner Ausführung, und nun steht der Tunnel wie ein Wunder seinem hauptsächlichsten Teil nach Vollendung da, heute am 27. April des Jahres 1858. Es ist früher oft behauptet worden, die gegenwärtige Zeit vermöge keine Werke zu schaffen und hervorzubringen, welche den Werken der Alten an die Seite gestellt werden könnten; allein vor uns, meine Herren, ist eine Strasse durch den tiefen Fluss eines grossen Gebirges geöffnet und geebnet worden, welche mit den grössten Werken der Alten den Vergleich auszuhalten vermag. Der Menschen Geschicklichkeit und Kunst in Ausführung grossartiger Bauten hat hier die Probe bestanden, die allergrössten Hindernisse sind diesem Werke, wie meines Wissens noch keinem ähnlichen, entgegengetreten, aber diese Schwierigkeiten sind beseitigt, und wir sehen, was vereinte Kraft und Anstrengung zu leisten vermag. - Die verschiedenartigen Faktoren und Kräfte haben sich dazu die Hand gereicht. Eine freiwillige Gesellschaft ist den Wünschen des Landes und den betreffenden Regierungen entgegengekommen. Direktorium und Ingenieure, Aufseher und Arbeiter haben dazu beigetragen, und gerne anerkennen wir`s, was insbesondere die das Werk ausführenden Männer Bedeutendes geleistet; gerne Sprechen wir ihnen unser Dank und unsere Bewunderung aus für ihre Kenntnisse in der Leitung, für ihre Tüchtigkeit und Umsicht in der Ausführung, und für ihre Geschicklichkeit und Ausdauer, welche sie bei dieser Arbeit bis ans Ende bewiesen haben.- Fünf Nationen haben an der Ausführung dieses grossen Werkes sich beteiligt. Woran die Engländer und die Deutschen, dann Schweizer, Italiener und Franzosen. Von diesen fünf Völkerschaften liegen Einzelne oder Mehrere in den Gräbern auf den Gottesäckern drüben in Trimbach oder hüben in Läufelfingen und harren da des ersten Tages der Auferstehung. - Eine neue Strasse soll nun mit der Eröffnung dieser Bahn durch den Tunnel dem immer mehr sich erweiternden Weltverkehr übergeben werden. Vom Handel und der Industrie, welche immer neue Wege gesucht und geebnet werden, will ich zwar jetzt nicht reden – aber andeuten will ich, dass alle diese Werke und Bahnen auch den Zwecken des Reichen Gottes werden deinen müssen. Längst ist es ja von den grössten und edlen Staatsmännern anerkannt und ausgesprochen worden, dass Christentum und Zivilisation, dass Gottseligkeit und Lebensglück im Handel und Verkehr sich nicht ausschliessen, sondern mit einander Hand in Hand gehen müssen, wenn letztere recht erblühen und gedeihen und zum Segen für die Völker werden sollen.- Wahrlich eine kühne Idee, deren grossartige Verwirklichung wir nun vor uns sehen, ist es, die Berge zu ebnen durch Strassen, welche durch die Tiefe in Mitten der Gebirge hindurchführen, und wer erinnert sich da nicht an das Wort der Bibel, welche eine Zeit verheisst, „wo die Täler geebnet und die Berge erniedrigt werden,“ wenn wir auch gar wohl wissen, dass dies Wort noch eine ganz andere Bedeutung hat oder sich in noch ganz anderer Weisse erfüllen und verwirklichen wird. Das immerhin steht fest und gewiss, dass doch zuletzt Alles zur Verherrlichung Gottesausschlagen muss. -Und nun noch ein Wort, das nicht unerwähnt bleiben darf am heutigen Tag. Ich müsste schon meinen Beruf und Charakter als Geistlicher völlig verleugnen, wenn ich Stillschweigend daran vorübergehen wollte. Gross und bewunderungswürdig steht das Werk vor uns, das nun vollendet ist, aber vergessen wir nicht: Gott hat bei diesem Tunnelbau ein sehr ernstes Wort mit uns geredet, eine gar tief eindrückliche Predigt hat Er uns gehalten und auf so heilig ernste Weise uns fühlen lassen: wie schwach der Mensch ist bei all seiner Geschicklichkeit, wie hilflos bei all dem Grossen und Staunens würdigen, das ihm auszuführen gestattet wird. Noch ist nicht ein Jahr verflossen, wo wir gar gemahnt wurden, uns nicht zu überheben, sondern Gott die Ehre zu geben. Da hat Er uns gezeigt, was wir Menschen sind und wer Er ist und dass Er auch noch heute sprechen könnte: „Bis hierher!“ Lasst es uns nicht vergessen: wir gehen jetzt einen heiligen Gang – wir sind eine gar erste Fahrt zu mache im Begriffe. In des Tunnels Mitte sind mit unversieglichem Griffel nicht von Menschenhänden, flammende Kreuze eingegraben, unauslöschliche Denk- und Erinnerungszeichen an unglückliche Brüder, die ihr Leben eingebüsst haben mitten unter Vollführung der Arbeit, deren Vollendung das heutige Fest gewidmet ist.- Wie diesem Meisterwerk unserer Zeit Mit- und Nachwelt ihre Bewunderung nicht versagen wird, ebenso wird jenes erschütternde Ereignis des 28. Mai 1857 mit allen seinen Folgen uns und unsere Nachkommen in unauslöschlichem Gedächtnis bleiben. - So sehr wir darum unsere Hochachtung allen denen zollen, welche zur glücklichen Vollendung dieses Werkes beigetragen haben, so müssen wir doch sagen: es gebühre vor Allem und über Allem und inAllem: „Gott die Ehre!“ – Ja: „Gott die Ehre!“- |
|
Design, Idee und © 2013 by www.flurnamenpuzzle.com |