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Die Grafen von Homburg

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

 

Auf einem steilen Felsabhange unweit des Dorfes Läufelfingen steht die Ruine des Schlosses Homburg, früher Honberg genannt, die einstige Wohnung und Feste der Grafen gleichen Namens. Wie ein riesenhaftes Totengerippe erhebt sie sich über dem Tal, und dem Beschauer drängt sich unwillkürlich des Wunsch auf: „könnten diese Mauern reden, die Freud und Leid so mancher Jahrhunderten gesehen!“ Aber stumm steht sie da und lassen uns mühsam in alten Chroniken und Urkunden, in den Rüstkammern alter Zeughäuser und endlich in ihrem eigenen dem Zahn der Zeit verfallenen Gestein die Brosamen ihres Glanzes und der Macht ihrer einstigen Bewohner zusammensuchen.

 

Die alten und berühmten Grafen von Homburg, welche in der Zeit bis 11., 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts lebten, besassen viele Güter und Lehen im Frick- und Sisgau und standen mit den Grafen von Frohburg und Habsburg, sowie anderen damaligen Adelsgeschlechtern in naher Verwandtschaft. Sie waren die Schirmvögte des Bistums Basel, wovon sich die älteste Spur in einer Urkunde vom Jahre 1103 findet. Ihre Stammburg lag auf einer Anhöhe bei Wegenstetten im Fricktal. Wahrscheinlich verpflanzte sich bei der Teilung der gräflichen Herrschaften eine Linie dieses Geschlechts nach dem Sisgau, in welchem das spätere Amt Homburg und die Stadt Liestal demselben gehörte, und erbauten das Schloss Neuhomburg; wann dies aber geschehen ist unbekannt.

Stammtafel der Grafen von Neu-Homberg

 

Stammtafel des Hauses Habsburg

 

Karte: Das Fürstentum Basel im 16. Jahrhundert

Das Hauptgebäude  dieses Schlosses, wie solches noch vor 67 Jahren gestanden, war, wie alle Bauten dieser Art aus dem 11. Und 12. Jahrhundert, in gotischen Stille und von antikem Aussehen. Es bestand aus einem etwa 80 Fuss hohem, viereckigem Turme, dessen Mauern zum Teil 5- 6 fuss dick und über dem schief nach vorn abhängendem Ziegeldach gezahnt war. Der Turm hatte ursprünglich sehr wenige und enge Fenster und war im Erdgeschoss gewölbt, so dass es scheint, es sei den Erbauern mehr an Festigkeit als an Raum, Helle und Bequemlichkeit im Innern gelegen gewesen. Der Vorhof war klein und mit einer sogenannten Letze (hölzerne Stange) versehen, welcher zur Verteidigung diente. Erst nachdem Homburg an die Stadt Basel gekommen war, wurden von dieser mehr Reben- und Wirtschaftsgebäude angelegt. Erstere, auf der Seite gegen Läufelfingen hin, bestanden aus einem runden Turme und einer Gassteinmauer mit Graben und Fallbrücke. Die Arbeiten führte Hans Juni von Sander im Jahre 1426 aus. Letztere, auf der Seite gegen Katzbach hin, standen innerhalb einer hohen und langen Ringmauer. Eine mehrere Tausend Fuss lange Brunnleitung führte vom Wisenberg her durch Weiden und Wald (Dünkelweg) dem Schloss gutes Trinkwasser zu.

Der erste Homburger, den die Geschichte nennt, ist ein Graf Rudolf, welcher im Jahre 1083 Schirmvogt des Benediktinerkloster St. Alban in Basel war.

Rudolf IV.Graf von Homburg, sass im Jahre 1114 auf dem Bischöflichen Stuhl zu Basel.

Er war ein Zünftling Benediktinerkloster St. Alban

Eine Gräfin Kunigunde von Homburg war ums Jahre 1136 Äbtissin des Klosters Olsberg.

Graf Ludwig, der Tapfere genannt, fiel im Jahre 1289 in dem Treffen an der Schlosshalde von Bern. In Folge dieses Kampfes gaben die Herren des Adels den Krieg mit der Stadt auf und kamen mit ihnen überein, damit ihnen die Blutrache Herrn Ludwigs von Homburg nicht obliegt, so sollen die von Bern für die Ruhe seiner Seele zu Wettingen eine Jahrzeit (Seelenmesse) stiften (urkundlich erwiesen). Ludwig war mit einer Gräfin Elisabeth von Rapperswil vermählt und hatte von seinem Schwiegervater die Stadt Rapperswil, die untere March, das Wäggital und wichtige Rechtsamen im Kanton Uri ererbt. Diese Gräfin Elisabeth war die Schwester des Grafen Heinrich von Rapperswil, dem die Gründung des Klosters Wettingen zugeschrieben wird.

Graf Herrmann war berüchtigt durch seine Fehden mit dem Basler Bischof Peter von Aspelt.

Graf Werner, der berühmteste des Geschlechts, war ein Mann mit grossen Gaben ausgerüstet, kriegskundig, tapfer und freisinnig. Er war es, der den Waldstädten Kaiser Albrechts Absichten auf sie entdeckte und mit Schwyz sogar ein Bündnis schloss, weswegen er beim Kaiser in Ungnade fiel. Nach der Schlacht bei Morgarten (1315), welche er auch mitmachte, half er den Frieden zwischen Österreich und dem Lande Schwyz vermitteln. Im Jahre 1312 war er Heerführer Kaiser Heinrich VII. von Luxenburg, welcher ihn sogar zum Statthalter der Lombardie erhob.

Er war aber nicht nur ein Kriegsmann, sondern daneben ein Freund der Wissenschaft. Aus folgendem Liede, welches sich in der Manessischen Sammlung findet, kann man seine Denkungsart und die Sprache der damaligen Zeit erlesen.

Ich will gern sein gefangen,

Dazu zwinget mich ihr Mund, ihre Wangen,

Ihre schöne, ihre gute ihre weibliche Zucht,

Und ihre frauenhaften Gebärden.

Gott war gross und erhaben,

Als er schuf diese reine Frucht,

Er war gut gelaunt.

Mit ihrer Güte- du Gute!-

Fing er allerlei Fluch.

Einer, der nicht einmal wert wäre,

Auf Stroh zu liegen,

Trägt ihr weibliches Bild (besitze sie).

Und der andere, der für Sie in den Tod ginge,

Und ihrer wert wäre,

Den muss sie lieben.

O Gott, wie teilst du so ungleich mit!

Ist er hässlich, so ist sie lieblich-

Was hat der Teufel im Himmelreich zu tun?

Graf Werner starb nach einem tatenreichen Leben 1323. Er hinterliess einen Sohn gleichen Namens, welcher aber schon neun Jahre nach des Vaters Tode ihm in die Ewigkeit nachfolgte. Mit ihm erlosch das homburgische Grafengeschlecht.

Graf Werner von Homburg

Noch mehrere andere Grafen, sowohl des Neu- als des Althomburgischen Hauses sind aus Urkunden bekannt, ohne dass es jedoch möglich ist, von den beiden Linien sichere und zusammenhängende Stammbäume herzustellen.

Das homburgische Wappen bestand aus zwei übereinanderstehenden Adlern.

Nach dem gebrauche damaliger Zeit machten die Grafen von Homburg mehrere Geistliche Stiftungen mit reichen Begabungen. Die wichtigste sind Wurmsbach am Zürichsee (1260) und Engenthal bei Muttenz (1269); auch verdankt ihnen jedenfalls die St. Peterspfarrei in Läufelfingen ihren Entstehung.

Wie die Grafen von Homburg das gemeine Volk behandelte, ob hart und grausam, oder mild und schonend, ist nicht bekannt. Zwar wird behauptet, die Knecht- und Leibeigenschaft sei nirgends so gross gewesen, wie in der Grafschaft Homburg, indem ihre Einwohner gar nichts Eigenes besessen haben sollen, die Grafen ihnen das Land jährlich um einen grossen Zins nur lehenweise überliessen, und sie sogar nach Belieben verkaufen oder sogar vertauschen konnten. Dagegen sind wenigstens auch keine Handlungen derselben bekannt, die sie zu Tyrannen stempeln könnten.

Wappen der Grafen von Froburg

Wappen der Grafen von Homberg

 

Heimatkunde. Beschreibende und geschichtliche Darstellung der Gemeinde Läufelfingen. 1865 von Lehrer H. Buser

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